Punktestand:
Kleine Drainagen-Kunde
Als Viszeralchirurg/in würdest du prinzipiell zwischen intraabdominellen und extraabdominellen Drainagen unterscheiden.
Für den Anfang ist es auch ein pragmatischer Ansatz, einfache Drainagen von komplizierten Drainagen zu unterscheiden.
Es gibt Drainagen, die sind grundsätzlich kompliziert bzw. für Fortgeschrittene. Zum Beispiel eine PTCD, eine T-Drainage oder auch ein transgastraler Axiostent (ist ja auch eine Form von Drainage).
Solche Drainagen kann man nicht bzw. darf man normalerweise auch nicht so einfach ziehen. Weil das so spezielle Drainagen sind, lassen wir die mal jetzt weg, wir können aber gerne darüber reden.
Hier werden 5 Drainagen vorgestellt:
- 1. Robinson (easy)
- 2. Easyflow (easy)
- 3. Redon (easy)
- 4. CT-Drainage (medium)
- 5. Bülau (medium)
Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch eine grundsätzlich einfache Drainage kann eine komplizierte oder plötzlich sehr wichtige Drainage werden, je nach dem wofür sie verwendet wird und wo ihre Spitze liegt...
Die Robinson-Drainage (easy)
Die Robinson Drainage ist eine runde flexible Drainage aus Silikon, die in aller Regel intraabdominell verwendet wird und ohne Sog zum Ablauf des Sekrets führt. Sie ist die häufigste Drainage, die wir bei uns im Haus verwenden. Wie man auf dem Bild erkennen kann, hat die Robinson Drainage an der Spitze seitliche Löcher oder auch "Augen". Wenn eine Robinson Drainage (aus welchen Gründen auch immer, gewollt oder ungewollt) so weit disloziert ist, dass man eines der Augen sieht, kann man sie eigentlich direkt ziehen, weil das Sekret sofort in den Verband gelangen würde und nicht in den Auffangbeutel.
Eine Robinson Drainage ist solch eine Standard-Drainage, dass die Entfernung auch fast immer banal ist. Z.B. im Rahmen eines regelrechten postoperativen Verlaufs, wenn die Drainage nicht mehr viel fördert. Kompliziert wird das Ganze erst, wenn eine Drainage aus einer schwerwiegenden Indikation (z.B. nekrotisierende Pankreatitis) eingebracht wurde und der Patient für die nächsten Tage/Wochen z.B. in Kombination mit einer Spüldrainage auf den Ablauf des Sekrets angewiesen ist bzw. es ein essentieller Bestandteil der Behandlung ist, diese Draiange zu belassen. Deshalb muss grundsätzlich diejenige Person, die eine Drainage zieht, auch wissen was sie da macht.
Die Easyflow-Drainage (easy)
Die Easyflow Drainage funktioniert genauso wie die Robinson Drainage, ist aber flach und hat eine zusätzliche Kapillarwirkung, so dass das Sekret besser abfließen soll. Es gibt einen Unterschied in der Handhabung, wenn man eine Easyflow intraabdominell verwendet. Und zwar wird nicht am Ende des Schlauchs ein Beutel drangehängt, sondern es muss auf der Haut ein Auffangbeutel draufgeklebt werden, weil die Drainage nur wenige Zentimeter aus der Bauchdecke rausguckt:
Deshalb bitte aufpassen beim Zug, nicht, dass die Drainage aus Versehen in der Peritonealhöhle verschwindet! Eine Easyflow wird normalerweise intraabdominell verwendet, kann aber auch für das Weichteilgewebe verwendet werden. Hier hat man z.B. nach Lymphadenektomie links axillär eine Easyflow verwendet:
Die Redon-Drainage (easy)
Die Redon Drainage hat einen extrem hohen Unterdruck (bis zu 900 mmHg Unterdruck in der Flasche). Die Flasche, die an so einer Drainage konnektiert ist, ist deshalb robust, weil sie diesen Unterdruck aushalten muss (der Physiker würde jetzt sagen: dem hohen atmosphärischen Überdruck standhalten muss). Deshalb muss man z.B. auch in aller Regel eine neue Flasche anbringen, wenn diese akzidentell kurz diskonnektiert wurde und ihren Sog verloren hat.
Dass Sog auf einer Flasche ist, erkennt man an der kleinen Ziehharmonika (siehe Pfeil). Aufgrund des viel zu hohen Sogs ist eine Redon-Drainage prinzipiell überhaupt nicht geeignet für den intra-abdominellen Bereich.
Gezeigt ist hier eine Redon-Drainage nach einer OP am linken Fuß (muss was unfallchirurgisches gewesen sein). Redon-Drainagen können aber auch in seltenen Fällen z.B. nach einer komplexen Bauchdeckenrekonstruktion eingesetzt werden und dann auf Station aus dem Bauchbereich des Patienten rausgucken ("Lassen Sie sich nicht verwirren!"). Oder z.B. bei einer Lymphadenektomie ins Weichteilgewebe eingebracht worden sein.
Die Pigtail-Drainage oder auch: die CT-gesteuerte (Pigtail-)Drainage, kurz: CT-Drainage (medium)
Dass eine Drainage "Pigtail" genannt wird, hat eigentlich nur damit zu tun, dass ihre Spitze wie ein Ringelschwanz (tail of a pig) gekringelt ist.
Die Kringelung entsteht erst, wenn die Drainagenspitze im Verhalt landet. Durch einen Seldinger-Draht ist die Kringelung bei der Anlage aufgehoben, sonst könnte man die Drainage auch nicht gradlinigst reinschieben. Pigtail-Drainagen können in alle möglichen Körperhöhlen und Flüssigkeitsverhalte angelegt werden: Ultraschall-gesteuert auf Station oder aber radiologisch / CT-gesteuert unten in der Intervention.
Und so sieht das dann aus, wenn CT-gesteuert eine (Pigtail-)Drainage z.B. in eine Verhaltkollektion im kleinen Becken angelegt wurde:
In eher seltenen Fällen werden (radiologisch) CT-Drainagen angelegt, die durch einen Faden an der Draingenspitze gesichert sind (siehe Bild unten). Dieser Faden soll dafür sorgen, dass die Drainagenspitze ihre Kringelform behält und dass die Drainage nicht so einfach disloziert.
Das ist insofern super wichtig, als dass beim Zug einer solchen Drainage UNBEDINGT dieser Faden gelöst werden muss, damit sich die Drainagenspitze begradigt. Sonst würde man den vorderen "Drainagen-Ballen" mitsamt einschneidendem Faden durch den Drainagenkanal ziehen und dadurch erheblichen Schaden anrichten. Dass gerade eine solche CT-Drainage vorliegt, erkennt man auch nicht immer so einfach. Deshalb lieber vorher fragen, wenn ihr euch unsicher seid!
Die Bülau-Drainage (medium)
Die Bülau-Drainage wird offen in die Pleura eingelegt und soll dafür sorgen, dass Flüssigkeit in der Pleura abläuft und sich die Lunge entfaltet. Hier sieht man die Anlage der Thoraxdrainage rechts in Bülau-Position als kleinen chirurgischen Eingriff, daher kommt auch der Name Bülaudrainage.
An heutigen Thoraxdrainagen steht sogar ein Zentimetermaß, mit dem man abschätzen kann, wie weit die Drainage im Körper liegt.
Um im Pleurasplat zu saugen, ist an der Bülau Drainage ein Bülau-Kasten angeschlossen, der in aller Regel einen Sog von 15 - 20 Zentimeter Wassersäule (15 - 20 cm H2O) ausübt (siehe Pfeil).
Beim Zug der Bülau Drainage ist wichtig, dass keine Luft in den Pleuraspalt einströmt, und dass das Loch vernünftig versiegelt ist, damit auch im Nachhinein keine Luft einströmt. In einem solchen Fall spricht man von Pneumothorax, den es zu vermeiden gilt. Eine Röntgen Kontrolle nach jeder Bülau-Entfernung oder -manipulation ist obligatorisch.
Und Und Und
Es gibt super viele Variationen von den vorgestellten Drainagen. Das hier ist nur ein kleiner Überblick über die wichtigsten Drainagen und Prinzipien in der Viszeralchirurgie. Solltest du dich für ein anderes (chirurgisches) Fach entscheiden, kann das Ganze schon wieder sehr anders aussehen!
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